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Kafka Fragments
Interlude: Kafka Fragments
Freitag, 20. November 2026 um 19:00
Beschreibung
György Kurtágs Kafka Fragments op. 24 (1985–86) verbindet ein zentrales Thema mit Franz Schuberts Winterreise, die später in der Saison erklingen wird: das Wandern als existenzielle Suche nach einem Weg, der sich immer wieder als unerreichbar erweist. Ausgehend von Fragmenten aus Kafkas Tagebüchern und Briefen erkundet Kurtág die Ungewissheit darüber, ob ein solcher Weg überhaupt existiert, und stellt zugleich die scheinbar unausweichliche Notwendigkeit der fortwährenden Suche in den Mittelpunkt. In dieser Aufführung erweckt Kurtágs hochkonzentrierte Musiksprache Kafkas Worte in einer Folge kurzer, eindringlicher Fragmente zum Leben, die zwischen Intimität, Ironie, Entfremdung und unablässigem Fragen oszillieren. Die Reise durch Kafkas Texte wird durch philosophische Reflexionen des Sprechers Florian Goldberg ergänzt. So entsteht ein Dialog zwischen Musik, Literatur und Philosophie, der neue Perspektiven auf die Erfahrung des Suchens und Sich-Zurechtfindens eröffnet.
Programm
György Kurtág: Kafka-Fragmente für Sopran und Violine ~60'
Künstler*innen
© Clara Evens
Luke Hsu
Violine
Luke Hsu, Mitbegründer des Tonhain Kollektivs, ist ein weltweit gefragter Geiger und Komponist. Er wird als "eine Klasse für sich, der sein Instrument perfekt beherrscht" (Montreal Gazette) und "geniale Interpretationen" (Le Soir, Brüssel) mit "unbändigem Enthusiasmus" (IndyStar) bietet. Geboren in Shanghai, aufgewachsen in Houston und derzeit in Berlin lebend, kennt Lukes künstlerische Philosophie keine Grenzen. Er schöpft bei seinen Interpretationen aus seiner Leidenschaft für Geschichte, Kultur und Volksmusik und setzt sich für die Musik unserer Zeit ebenso begeistert ein wie für die der Vergangenheit. Luke ist als Solist in der Wigmore Hall, auf Schloss Windsor, im Kennedy Center, im Herkulessaal, in der Philharmonie Berlin, im BOZAR und vielen anderen aufgetreten. Er hat als Solist mit zahlreichen renommierten Orchestern zusammengearbeitet, zuletzt mit dem Sinfonieorchester Basel, dem Belgischen Nationalorchester und dem Königlichen Kammerorchester der Wallonie, und arbeitete eng mit bedeutenden Dirigenten wie Leonard Slatkin, Pascal Vierrot, Nikolaj Znaider, Hugh Wolff, Cristian Macelaru und Jean-Jacques Kantorow zusammen. Als Preisträger des Königin-Elisabeth-Wettbewerbs hat Luke bei vielen der renommiertesten Violinwettbewerbe der Welt Preise gewonnen. Er gewann die Bronzemedaille, den Bach-Preis und den Preis für die Mozart-Sonate beim 10th Quadrennial International Violin Competition of Indianapolis und den ersten Preis beim ISANGYUN-Wettbewerb. Weitere wichtige Preise erhielt er bei den Wettbewerben Nielsen, Wieniawski, Michael Hill und Paganini.
© Martin Sigmund
Johanna Vargas
Sopranistin
Johanna Vargas ist eine kolumbianische Koloratursopranistin, die für ihre vokale Virtuosität, dramatische Ausdruckskraft und mitreißende Bühnenpräsenz gefeiert wird. Als vielseitige Künstlerin bewegt sie sich mühelos zwischen zeitgenössischer Oper, experimentellem Musiktheater, Kammermusik und Improvisation – und verbindet dabei Belcanto-Eleganz mit Latinjazz, Pop und avantgardistischen Klangexperimenten. Als festes Mitglied der renommierten Neuen Vocalsolisten Stuttgart (ausgezeichnet mit dem Silbernen Löwen der Biennale Venedig 2021) zählt sie zu den führenden Interpretinnen Neuer Musik und arbeitet mit visionären Komponist*innen wie Wolfgang Rihm, Beat Furrer, Georges Aperghis und Bernhard Lang. Ihre Soloprojekte – von den Kafka-Fragmenten in der Elbphilharmonie Hamburg (in Regie zusammen mit Angelika Luz) bis zu Auftritten bei Festivals wie Manifeste-IRCAM Paris, Ultraschall Berlin und Eclat Stuttgart – begeistern durch ihre innovative Verbindung von Stimme, Bewegung und Theater. Zu ihren Karrierehöhepunkten zählen Konzerte mit Sir Simon Rattle (Berliner Philharmoniker), dem Ensemble Modern und dem MDR Sinfonieorchester Leipzig, sowie ihr Duo LAB51, das radikale Stimmexperimente erforscht. Als Preisträgerin des Hanns-Eisler-Preises, John-Cage-Preises und des NUNC!3-Stipendiums ist sie auch eine engagierte Pädagogin und unterrichtet zeitgenössische Vokalperformance an der Musikhochschule Karlsruhe. In der Saison 2025–26 ist sie u. a. bei den ManiFeste Festival Ircam, Wien Modern und den Donaueschinger Musiktagen zu erleben – und setzt ihre Mission fort, die Grenzen der vokalen Kunst neu zu definieren.
©
Florian Goldberg
Gastsprecher*in
Florian Goldberg ist ein Grenzgänger zwischen den Welten und Disziplinen. Er studiert Philosophie, Germanistik und Anglistik in Tübingen und Köln. Noch während des Studiums gründet er mit Freund:innen ein Theater und eine Galerie in Köln, um sie als Plattform nicht nur für landesweit beachtete Ausstellungen, sondern auch für den interdisziplinären Dialog von Kunst, Wirtschaft, Philosophie und Wissenschaft zu nutzen. Sein Interesse an Fragen einer nicht eurozentrischen, angewandten Philosophie führt ihn über Jahre hinweg erst nach Indien und später nach Japan, wo er sich intensiv mit Meditation auseinandersetzt. Als Autor und Publizist veröffentlicht er Bücher, Essays, Features sowie Hör- und Theaterstücke. Unter dem Künstlernamen »tauchgold« entstehen mit seiner Lebensgefährtin, der Autorin und Regisseurin Heike Tauch, Stücke auf der Schnittstelle von Hörfunk und Bühne, bei denen eigens komponierte zeitgenössische Musik eine zentrale Rolle spielt. So etwa schreibt der Komponist Dai Fujikura die Musik für ihr Stück „Geborgte Landschaft“ (Deutschlandfunk, 2022). Die englische Bühnenfassung "BORROWED LANDSCAPE. A Narratorio for Piano Trio and Voices" erlebt 2023 seine Premiere in New York, um von dort nach Washington D.C. (2024) und Cincinnati (2025) zu reisen. Die japanische Bühnenfassung feiert 2025 in Hiroshima Premiere und kommt 2026 nach Tokio. Von 2022 bis 2024 konzipiert und inszeniert »tauchgold« für das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) die interdisziplinäre Reihe „Mensch, Musik!“. Dabei entsteht der Dokumentar-/Musikfilm „Meine Herze schwimmt im Blut“ in dessen Zentrum Bachs Kantate mit einer Neufassung des Ursprungstextes steht. Thematisiert wird eine säkulare Version von Schuld und Verantwortung des Menschen für den Menschen in freien, demokratischen Gesellschaften. Mit dem Tod seiner Gefährtin in der Liebe und in der Kunst im Jahr 2024 setzt Florian Goldberg die Arbeit von »tauchgold« allein und mit Freunden fort. Darüber hinaus arbeitet er seit über 30 Jahren als philosophischer Berater und Executive Coach für Menschen für Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur und Politik und unterrichtet an verschiedenen Wirtschaftsuniversitäten Leadership.
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